Wie wehre ich mich gegen unerwünschtes Duzen?

Nicht nur in den Bars und Szenerestaurants, sondern immer mehr auch in den Geschäften wird man von Wildfremden geduzt. Wie kann man sich höflich gegen diese aufgezwungene Nähe wehren?

Jemanden einfach so zu duzen, ist respektlos und zeugt von fehlendem Anstand. Selbst wenn dieses Verhalten immer mehr um sich greift, gilt grundsätzlich die Regel, dass man sich siezt, wenn man sich nicht näher kennt. Auch Heranwachsende sollten ab Ende Grundschule prinzipiell gesiezt werden. Du-Befürwortern sei an dieser Stelle in Erinnerung gerufen, dass nicht jeder die durch das Du erzeugte Nähe wünscht, zumal einem nicht jede Person gleich sympathisch ist. Erlaubte Ausnahmen von der Regel ist der Umgang auf Social-MediaPlattformen, im Fitnesscenter oder im Verein. Bei Ersteren war Duzen schon von Anfang an üblich. Im Fitnesscenter oder Verein ergibt sich die Nähe automatisch, da man sich aufeinander verlassen muss, damit man ein gemeinsames Ziel erreicht. Hier liegt auch die Wurzel für das Duzen begraben. Noch bis ins 20. Jahrhundert war es üblich, dass Kinder ihre Eltern mit Sie anredeten. Erst mit dem Aufkommen der Gewerkschaften, deren Mitglieder füreinander durch dick und dünn gingen und so eine extreme Vertrauensbasis entstand, setzte sich das Du im Umgang mit sich näherstehenden Personen durch. Durch die Anglisierung in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere aber ab den 1990er-Jahren, fand das Du auch in Geschäftsbeziehungen Verbreitung.

Die angloamerikanische Lockerheit ist aber nun mal nicht jedermanns Sache. Wer unerwünscht geduzt wird, sollte den Verursacher sogleich korrigieren. Sagen Sie etwa: «Moment, mein Name ist Herr X oder Frau Y, und ich bin per Sie mit Ihnen.» Man muss das auch gar nicht begründen. Selbst wenn jemand einem das Du anträgt und man dies nicht will, kann man höflich ablehnen. Eine allfällige Entgegnung «Duzen ist bei uns üblich» braucht man nicht gelten zu lassen und kann das Gegenüber bei weiterem Duzen ignorieren oder das Geschäft boykottieren.

Tagblatt der Stadt Zürich,
21. Nov 2018