Knigge – Top oder Flop?

Gute Umgangsformen (Knigge) werden heute öfters belächelt und als «veraltet» abgetan. Ist dem wirklich so? Knigge heisst: Mitmenschen zuvorkommend, respektvoll und anständig begegnen! Ist das wirklich nicht mehr aktuell, sondern out? Wer liebt es, wenn ihm vor der Nase die Türe zugeknallt wird, sodass er voll dagegen läuft. Oder wenn er/sie grüsst und dann keine Antwort erhält? Gibt dies nicht das Gefühl, einfach nicht beachtet zu werden? Kleine, unwichtige Dinge, denken viele. Aber sehr wichtige, wenn es um ein angenehmes Zusammenleben geht. Ist es nicht viel angenehmer, wenn uns jemand mit einem Lächeln, einem direkten Augenkontakt, einer klaren, freundlichen Stimme und wertschätzenden Worten empfängt? Auch wenn man die KniggeRegeln beherrscht, heisst dies noch lange nicht, dass man künstlich wirkt. Man soll auf jeden Fall authentisch sein. Minimale Anstandstipps sind jedoch unbedingt gegeben: Begrüssung, Verabschiedung, Danke, Bitte und Entschuldigung. Ist dies zu schwierig für Sie? Ich denke kaum, doch es macht unser Zusammenleben um einiges einfacher und angenehmer. Statt nur sich selbst für gut zu erachten und nur sich zu sehen, sollte man auch andere Menschen beachten und mindestens den entsprechenden Respekt für sie aufbringen. Übrigens, die Knigge-Regeln werden regelmässig den neuen Gegebenheiten angepasst und sind deshalb nicht «verstaubt» oder nicht mehr «gültig», sondern hoch aktuell. Ein persisches Sprichwort lautet: «Höflichkeit ist ein Kapital, das den reicher macht, der es ausgibt.» Und wie handhaben Sie dieses Thema?

Tagblatt der Stadt Zürich,
8. Mai 2019