«Geld, Krankheit, Tod, Religion, Politik: Über diese Themen spricht man nicht.»

An der letzten Weihnachtsfeier trug ich irgendwann eine glitzernde Weihnachtsmannmütze. Zu viel?

Ehrlich gesagt, ja. Verkleidungen gehören für mich zur Fasnacht. Zudem macht man sich ja extra schön für diesen Abend, da muss so was nicht sein.

Dann hat man aber schnell das Image eines Spassverderber’s.

Wichtig ist, dass man nur das macht, worauf man Lust hat. Es muss einem immer wohl sein. Egal, ob man nun
bei irgendwas nicht mitmachen will oder ausgelassen herumblödelt. Kritik sollte man aber auch akzeptieren.
Hier ist Authentizität gefragt.

Wie kann man sich auf eine Firmenweihnachtsfeier vorbereiten?

Zum Beispiel kann man sich überlegen, was man anziehen will. Ein Weihnachtsessen ist ein feierlicher Anlass, deshalb gilt: Ein wenig schöner als im Büroalltag. Zudem sollte man sauber sein und gut riechen.

Kaum angekommen, gibt’s den ersten Aperitif. Wie soll man es mit dem Alkohol handhaben?

Ein schwieriges Thema! Am beste trinkt man so viel, wie man verträgt. Man sollte sich und seinen Körper gut kennen und aufhören, wenn man genug hat. Tanzt man plötzlich auf dem Tisch, hat man zu viel getrunken. Das ist bei einem Firmenfest ein No-Go, man wird schnell abgestempelt.

Was, wenn man mit Arbeitskollegen am gleichen Tisch sitzt, mit denen man nicht viel anfangen kann?

Man sollte sich um eine Konversation bemühen und nicht einfach stumm dasitzen. Vielleicht erfährt man etwas
Interessantes? Immerhin hat man mindestens etwas gemeinsam: Man arbeitet in der gleichen Firma.

Was sind gute Smalltalk-Themen?

Das banalste, aber effizienteste ist immer das Wetter, da können alle mitreden. Sonst eignen sich zum Beispiel
die Lokalität, das Essensbuffet, Freizeitaktivitäten, Ferien und Kultur.

Und über was sollte man an einer Weihnachtsfeier nicht sprechen?

Geld, Krankheit, Tod, Religion, Politik. Das sind Themen, die zu Streit führen können, und das ist nicht der
richtige Ort dafür. Zudem sollte man nicht über Arbeitskollegen lästern.

Wann darf man den Platz wechseln?
Nach dem Dessert.

Eine Studie sagt, dass sich jeder Zehnte auf einer Firmenweihnachtsfeier zu einem Seitensprung hinreissen lässt.

(Lacht.) Meiner Erfahrung nach stimmt das! Solche Geschichten habe ich schon oft gehört. Wahrscheinlich spielt da der Alkohol eine Rolle.

Und wie reagieren, wenn man ungewollt angemacht wird?

Am besten sagt man, dass die Avancen zwar schmeichelhaft sind, man aber kein Interesse hat. Dabei sollte
man so sachlich wie möglich bleiben.

Ist die Weihnachtsfeier der richtige Ort, um seinem Chef neue Ideen und Projekte vorzuschlagen?

Nein. Auch Chefs sind manchmal froh, nicht an die Firma denken zu müssen. Solche Dinge kann man
während der Arbeit besprechen.

Apropos Chefs: duzen oder siezen?

Hier greift eine Knigge-Regel: Das «Du» bietet der Vorgesetzte dem Angestellten an. Aber Achtung!
Macht man in Partystimmung Duzis, weiss man als Angestellter am nächsten Tag oft nicht, ob das noch
gilt. Deshalb sollte man das am nächsten Morgen im Büro gleich als erstes klären. So erspart man sich manch unangenehme Situationen.

Sie sprechen den «Tag danach» an. Wie verhalten, wenn man sämtliche Benimmtipps missachtet hat?

Wie ein graues Mäuschen. Man tut gut daran, sich möglichst unauffällig zu verhalten. Je nach Vorfällen gehört
eine Entschuldigung dazu. Jetzt kommt eben der Bumerang. MM

Susanne Zumbühl
Ist selbständige Knigge-Expertin.

Migros Magazin,
5. Dez 2017