Bewusst leben mit mehr Achtsamkeit statt Stress

Schoener Schenken 2017_ 14Das Handy piepst unaufhörlich. Es meldet neue Nachrichten von WhatsApp, Instagram, Facebook, Twitter und Co. Auch in der Mailbox sind neue Meldungen sichtbar. Dank Handy, Notebook und Computer sind wir während vierundzwanzig Stunden immer erreichbar. Multitasking bringt nicht immer Erfolg. Mit dieser Schnelllebigkeit im Alltag sind wir gefordert und irgendwann überfordert, im Beruf und in der Freizeit. «Plötzlich hat man genug. Man fragt sich, wofür bin ich eigentlich hier?», sagt Susanne Zumbühl. Sie weiss, wovon sie spricht. Als dipl. Coach und Personalfachfrau steht sie täglich mit vielen Menschen in Kontakt. Sie spürt vor allem Frust und hat schon viele Burnouts miterlebt. «Einerseits ist es die Überforderung, andererseits ist es der Lärm, dem wir überall ausgesetzt sind. Freiräume für sich selbst und ohne Verpflichtung fehlen.» Ein Gefühl von Aggressivität macht sich bemerkbar. Man teilt nur noch aus, denkt negativ und kann sich an nichts mehr freuen. Das berühmte Hamsterrad dreht sich immer schneller. Das muss nicht sein. «Erst wenn der Mensch zur Ruhe kommt, dann wirkt er. Gelassenheit bringt uns eher zum Ziel», sagt Susanne Zumbühl. In ihrem Seminar vermittelt sie, das Leben bewusst zu leben und zu geniessen.

Gedanken bewusst lenken
Zu viele negative Gedanken verunsichern. Positive Gedanken entspannen und lassen schöne Gefühle entstehen. «Gedanken kann man lenken. Dafür braucht es Selbstdisziplin. Vor allem in der Nacht braucht das Hirn Ruhe und Schlaf, damit es im Unterbewusstsein die Gedanken und Erlebnisse des Tages sortieren kann.» Auch Susanne Zumbühl ist nicht befreit von sich drehenden Gedanken. «Um mich abzulenken und zu entspannen, summe ich leise vor mich hin. Manchmal tut es gut, das Denken zu vergessen, dafür aber seine Sinne – Sehen, Hören und Riechen – wahrzunehmen. Wie schön es ist, durch einen Gemüsemarkt zu schlendern, um die Farben und den Duft auf sich wirken zu lassen, oder nach einem warmen Sommergewitter die Feuchtigkeit in der Luft zu fühlen und zu riechen.» Das bedeutet auch, gleichzeitig sich selbst, der Umwelt und anderen Menschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Mit gesundem Ehrgeiz zum Ziel
Täglich setzen wir uns neue Ziele. Diese zu erreichen, ist oft eine Herausforderung. «Wir wissen, dass wir Menschen miteinander verbunden sind. Wichtig ist es, um ein Ziel zu erreichen, natürlichen Ehrgeiz zu entwickeln und sich nicht fremdbestimmen zu lassen.» Die Wertschätzung gerät gerne in Vergessenheit. Zu oft wird nur kritisiert. «Wer kritisiert, darf, ja sollte auch loben. Es muss nicht 1:1 sein», erwähnt Susanne Zumbühl. Ein Lob oder ein Kompliment beflügelt, und mag es noch so klein sein. «Wenn wir uns selbst und den Menschen um uns mehr Aufmerksamkeit schenken, können wir das Leben wirklich wahrnehmen. Wichtig ist aber auch, mehrmals täglich bewusst innezuhalten, um eine kleine Pause zu geniessen, und sich dabei zu verwöhnen.»

Kleine Pause im Alltag
• Bewusst den Duft des Kaffees oder Tees ein¬atmen.
• Einen Moment den Blick in die Ferne schwei¬fen lassen.
• Auf ein Blatt fünf Dinge schreiben, die einen glücklich machen.
• Bei Sonnenschein einen kurzen Spaziergang machen und dabei auf blühende Bäume, Sträucher und Blumen achten.
• Bei Regen in den Himmel schauen und die Regentropfen auf dem Gesicht spüren.
• Seifenblasen pusten und staunen, wie leicht diese durch die Luft schweben.
• Ein Foto mit dem Handy von der Natur machen und dieses als Postkarte schicken.
• Fünf Minuten die Augen schliessen, in Ge¬danken konzentriert im Rhythmus des Atems von Kopf über Arme zu den Füssen reisen und wieder zurück.
• Mit Rauchern eine Pause im Freien machen und statt eine Zigarette zu rauchen einen Apfel essen.
• Jemandem ein Kompliment machen oder ein Lächeln schenken.
• Drei Stunden das Handy ausschalten und nicht erreichbar sein.
• In einem Bildband, Kinderbuch oder Comic blättern.

Schweiz am Wochenende,
3. Dez 2017