Wie trägt man eine Sonnenbrille mit Stil?

Einer Tagblatt-Leserin fehlt der Durchblick – sie fragt: «Auch an sonnigen Tagen bin ich keine begeisterte Sonnenbrillenträgerin. Ich fühle mich damit in Gesprächssituationen unwohl. Gibt es Regeln?»

Kniggeexpertin Susanne Zumbühl (www.autentica.ch) weiss, was geht – und was nicht.

Eine Sonnenbrille bereitet in Gesprächssituationen vielen Leuten Unwohlsein. Der schwarze oder gespiegelte Balken steht wie eine Barriere zwischen den Gesprächspartnern. Es gibt freilich auch gute Gründe, die Brille im Gespräch aufzubehalten. Wer bei gleissendem Sonnenschein für einen kleinen Plausch mit einer Zufallsbegegnung auf der Strasse anhält, wer im Strassencafé sitzt darf seine Brille nach der Begrüssung wieder anziehen. Schliesslich sind krampfhaftes Blinzeln und tränende Augen ebenso eine Barriere. Bei Trauernden an Beerdigungen oder bei Augenleiden wird eine Sonnenbrille selbstverständlich nicht als Fauxpas angesehen.
Als Grundregel gilt: Dient die Sonnenbrille lediglich als Accessoire, sollte man sie im Gespräch absetzen. Auf jeden Fall sollte man die Brille einpacken, wenn man ein Gebäude betritt. Und zwar auch eine Bäckerei. Es gehört zu unserer Kultur, dass man sich bei Gesprächen in die Augen schaut, das steht auch Kellnern und Verkäuferinnen zu. Wohin nun mit der Brille? In einem Gartenrestaurant darf man sie auf den Tisch legen. Von Brille im Haar, auf der Glatze, im Decollete oder Hemdausschnitt rate ich ab. Tendenziell würde ich im geschäftlichen Umfeld immer versuchen, ohne Sonnenbrille auszukommen.
Auch auf Photos sind Sonnenbrillen oft unangebracht, je offizieller der Anlass, wie ein Hochzeitsgruppenbild, desto eher sollte man auf sie verzichten. Und zum guten Schluss: Nur eine saubere und gepflegte Brille sieht toll aus.

Tagblatt der Stadt Zürich,
26. Apr 2017